| Datum | 01.04.2005 |
| Publikationstyp | Artikel & Beiträge |
| Verlag | Verlag Werk |
| Herausgeber | BSA – werk, bauen + wohnen |
| Text | Philipp Esch |
| Fotografie | Andrea Helbling |
In seinem Roman «Hochhaus» beschreibt der englische Science-Fiction-Autor J.G.Ballard1 1, wie die elegante Bewohnerschaft eines gerade fertiggestellten Wohnhochhauses in London allmählich zur gewalttätigen Steinzeitgesellschaft wird. Ein lapidarer Stromausfall gerät unter den Bewohnern zum Auslöser für erste kleine Übertretungen, welche im Verlauf der Erzählung groteske Ausmasse annehmen. Vorgeführt wird, wie prekär die vermeintlich so fest gefügte Normalität ist, wie wenige Konventionen für wie kurze Zeit ausser Kraft gesetzt werden müssen, um im zivilisatorischen Konstrukt Risse zu öffnen, hinter denen ganz archaische Triebkräfte zutage treten. Diese Veränderung kündigt sich unterschwellig im Wandel der Attribute an, mit denen das Haus beschrieben wird. Denn auch das Haus – als eigentlicher Protagonist – nimmt immer urtümlichere Züge an, ist zunächst Wunderwerk der Haustechnik, nichts weniger als der geglückte Versuch der Besiedlung des Himmels, bevor es sich schliesslich als urzeitliche Steilwand entpuppt, deren Höhlen einst schicke Apartments waren.

